Poltergeist 3

 

Poltergeist 3 – Die dunkle Seite des Bösen

(Poltergeist 3)

Horror USA 1987

Regie: Gary Sherman

Carol-Anne lebt bei ihrer Tante und ihrem Onkel in der Großstadt und geht auf eine Schule für außergewöhnliche Kinder. Ihr Lehrer glaubt sie könne Massenhypnosen verursachen. Während Carol-Anne glaubt Schweigen könnten die Geister von damals fern halten, bringt der Lehrer sie dazu unter Hypnose zu erzählen was einst geschah. Dies lockt den bösen Reverend Kane erneut auf dem Plan, der von dem jungen, unschuldigen Mädchen ins Licht geführt werden möchte...

Hier poltern die Spiegel...

Wer „Poltergeist 2“ kennt wird auch von dieser zweiten Fortsetzung nicht zu viel erwartet haben und kann eigentlich nicht enttäuscht werden. Wenn überhaupt müsste es umgekehrt sein, war Teil 2 doch eine ganz müde Nummer, die lediglich einen Spezialeffekt nach dem nächsten verwurstete, ohne auch nur einen Anflug von Spannung bereit zu halten.

Kennt man andere Horrorwerke unter der Regie Gary Shermans kann man dennoch enttäuscht sein, drehte dieser doch so großartige Grusler wie „Tot und begraben“ und „Tunnel der lebenden Leichen“. Ich habe „Poltergeist 3“ vor vielen Jahren gesehen, bevor ich seine weiteren Arbeiten kannte und wusste, dass dieser Film nur Routine ist. Was wäre ich damals enttäuscht gewesen zu wissen, dass das nächste Sequel von ihm stammt, ich voller Erwartung ins Kino gerannt wäre, um dann das nüchterne Ergebnis sichten zu müssen.

Nun war es so aber nicht, und so kam es stattdessen zu einer anderen Situation. Da mir die Qualität der oben erwähnten weiteren Genrebeiträge Shermans gefiel, wagte ich mich erneut an „Poltergeist 3“ heran um zu schauen, ob er nicht ein wenig mehr bietet, als mir in Erinnerung blieb. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass mir Filme aus meiner Jugend völlig anders gefallen als damals. Ein wenig besser als früher war „Poltergeist 3“ dann auch wirklich, trotzdem ist er nicht mehr als angenehme Routine.

Letztendlich wird auch hier wieder viel zu viel Budenzauber betrieben wie schon im Vorgänger. Im Gegensatz zu diesem arbeitete man aber immerhin wieder mit gruseligen Momenten. Diese reichen jedoch nie an die großen Gruselszenen von Teil 1 heran und sind immer nur von kurzer Dauer, eben weil man hier fast nur auf Spezialeffekte achtete.

Dennoch ist ab und an Shermans Handschrift wiederzuerkennen, beispielsweise in einer der ersten Szenen, in welcher das traurige Mädel Carol-Anne auf dem Bett sitzt, ein Fensterputzer kommt am Fenster vorbei und versucht sie fröhlich zu machen, und als dieser mit seinem Gefährt nach unten gleitet wird die Sicht auf eine amerikanische Großstadt frei. „Poltergeist 3“ spielt nicht mehr in der Kleinstadt, und spätestens jetzt wird es dem letzten klar.

Ein Großteil des Gruselns möchte man diesmal über das Spiel mit Spiegeln erzeugen. Das klappt auch hin und wieder ganz gut, überrascht aber nicht immer, da man jederzeit mit einer erneuten Spiegeltäuschung rechnet. „Poltergeist 3“ leistet hier aber immerhin wesentlich bessere Arbeit als „Mirrors“ mit Kiefer Sutherland, der im Gegensatz zum hier besprochenen Film fast nie unheimlich wirkte.

Schon Teil 2 war widersprüchlich zum ersten, und das Spiegeltheater von Teil 3 will so gar nicht zu den bisherigen Gesetzen der Vorgänger passen. Stilistisch versucht Sherman die beiden sehr unterschiedlichen Vorgänger zu einen, greift dafür aber auf ein Thema zurück, dass weder zu Teil 1 noch zu Teil 2 passt. Kleine Randerscheinungen sind jeweils aus den beiden ersten Teilen übernommen, ansonsten folgt Teil 3 einer eigenen Logik. Mag sein, dass Spuk sich immer an eine unbekannte Logik halten muss, und diese von Spukbeginn zu Spukbeginn wechseln darf/muss. Das wäre zumindest ein Erklärungsansatz für die wirren Welten aus „Poltergeist 2“ und „Poltergeist 3“.

Horrorfilme funktionieren oft auch ohne echten Zusammenhang zu ihren Vorgängern wunderbar, und auf schlichter Ebene trifft dies auch auf die zweite Fortsetzung von „Poltergeist“ zu. Wie erwähnt wird es ab und an gruselig (die böse Carol-Anne weiß zu wirken) und das Spiel mit den Spiegeln wird ausgeweitet in einen Bereich, der mehr Raum verdient hätte und erst in „The Broken“ zu vollem Einsatz kam: Spiegelmenschen treten in unsere Welt als böse Doppelgänger. Da hätte man wesentlich mehr draus machen können. Letztendlich schien man aber ohnehin nicht wirklich zu wissen, was man drehen will.

Es musste für den Markt zwingend eine Fortsetzung her, obwohl eine weitere von „Poltergeist“ das Publikum damals sicherlich nur gering interessiert hat. Ein Grund dafür war sicherlich das eben erwähnte hüpfende Prinzip, das nie einer Linie treu blieb. Vielleicht war das auch der Grund, dass man sich bei Bildern der anderen Seite an Szenen erinnert fühlt, wie sie Freddy Kruegers Alptraum-Welten zeigten. Im Gegensatz zu einer Fortsetzung dieser Reihe wollte das „Nightmare On Elm Street“-Publikum immer weitere Teile ihres Lieblings sehen. Warum also nicht dort klauen?

Hier zeigt sich wieder Shermans Stärke fremde Welten glaubhaft umzusetzen. Sicherlich war er es nicht, der die Settings erschaffen hat, aber er weiß wie er sie bedrohlich und wundersam einfängt. Diesmal wird viel mit Kälte gearbeitet, so dass das Jenseits meist schneebedeckt wirkt, jedoch auf unangenehm und gekünstelt frostige Art. Sherman schafft es, dass weiße Bilder in ihrer Ausstrahlung düster wirken. Und dies kombiniert mit der kompletten Spiegel(un)logik der Geschichte sorgt für einen wirren, aber interessanten und wirkungsvollen Trip durch die Handlung.

In einer der besten Jenseitsszenen wird noch ein wenig von John Carpenters „Christine“ geklaut. Was soll’s, dafür klaute man für „Halloween 4“ später die Idee des kleinen Mädchens im Mittelpunkt, lebend bei Stiefeltern mit der großen Stiefschwester als Babysitter. So klaut jeder mal von jedem in der Welt der Fortsetzungen.

Die Darsteller schlagen sich wacker im Meer der Spezialeffekte, und bis auf manche arg 80er Jahre-lastige Frisur, wirkt auch keiner von ihnen lächerlich oder auf andere Art kontraproduktiv. Positiv hervorzuheben ist mancher Spezialeffekt, beispielsweise der Riss in der großen Spiegelwand ziemlich zu Beginn. Hierbei muss man beachten, dass noch nicht mit Computereffekten gearbeitet wurde, und das Entstehen des Risses durch unsichtbare Hand noch echte Handarbeit erforderte. Hut ab!

„Poltergeist 3“ kann man sich als kleinen Horrorfilm für zwischendurch ruhig einmal geben. Darauf gewartet hat sicherlich schon damals niemand, und mit heutigen Augen wirkt er ein wenig antiquiert. Aber er ist nie langweilig, manchmal gruselig und bietet tolle Bilder. Auf der Gegenseite ist er aber auch etwas zu wirr erzählt und scheint nicht immer einer innereigenen Logik zu folgen. Allein das Spiel mit den Spiegeldoppelgängern zeigt deutlich, dass man eher mit Ideen jonglierte, anstatt sie zu Ende zu führen oder wenigstens sinnig einzubringen. Dem Unterhaltungswert schadet das jedoch nur gering.

Trailer,   OFDb


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